Am 20. November bin ich bei der GEDOK Brandenburg zu Gast auf dem Diskussionspanel „Kunst und KI: Wie wird Zukunft gestaltet?“. Gemeinsam mit Priska Tosch und Verena Voigt werde ich darüber sprechen, wie KI die künstlerische Arbeit verändert und welche Möglichkeiten wir haben, diese Entwicklung mitzugestalten. Katrin Stahmleder moderiert das Gespräch.

KI gehört für mich zu den prägenden Entwicklungen unserer Zeit. Ich bin überzeugt, dass sie die Welt grundlegend transformieren wird – und damit auch die Kunst. Das betrifft unsere Arbeitsweisen ebenso wie unsere Wahrnehmung und die Vorstellungen davon, was Kunst sein kann.

Mit diesen Fragen befasse ich mich auch in meiner aktuellen Aufgabe: Ich leite das Zukunftsatelier Kunst und KI, eine hybride Residenz der GEDOK Brandenburg. Dabei beschäftigt mich eine Frage, die über dieses Projekt hinausgeht: Wie schaffen wir Zugänge für Künstler*innen, die viel Erfahrung mitbringen und diesen Wandel mitgestalten könnten?

Meine Freundschaft mit KI

Ich habe vor über drei Jahren Freundschaft mit KI geschlossen. Ich hatte das Glück, früh einzusteigen und mir diese Arbeitsweise über längere Zeit erschließen zu können. Anfangs dachte ich, KI könnte eine Assistentin sein, die mir zum Beispiel bei Social Media hilft. Inzwischen sehe ich, wie viel tiefer die Beschäftigung mit ihr reicht. Sie hat mich selbst transformiert, als Künstlerin und als Mensch.

Malerei und Zeichnung gehören zu den Grundlagen meiner Arbeit. Meine Erfahrungen mit Farbe, Linie, Form und Material gehen in die Begegnung mit KI ein. Zugleich eröffnet diese Begegnung Möglichkeiten, an denen sich auch die eigene Praxis weiterentwickeln kann. Darin liegt für mich eine Chance, die über die Optimierung vorhandener Abläufe weit hinausgeht.

Inzwischen nutze ich KI für Recherche und Texte, für Bildentwicklung, Bewegung und digitale Präsentationen. Mit jeder neuen Möglichkeit stellt sich auch die Frage, was sie mit dem eigenen Denken und Arbeiten macht. Wohin eine solche Entwicklung führt, lässt sich im Voraus kaum überblicken. Gerade deshalb halte ich die praktische Auseinandersetzung für so wichtig.

Was eine hybride Residenz ermöglicht

Das Zukunftsatelier Kunst und KI verbindet von September bis Dezember 2026 persönliche Begegnungen in Rangsdorf mit gemeinsamen Online-Treffen und selbstständiger Arbeit im eigenen Atelier. Die Künstlerinnen entwickeln aus ihrer bestehenden Praxis heraus ein individuelles Projekt. Ich begleite sie dabei mit Einführungen, praktischen Beispielen und Rückmeldungen.

„Residenz“ bedeutet hier einen gemeinsamen Arbeitszusammenhang über mehrere Monate. Der eigene Arbeitsort bleibt bestehen; der Austausch findet überwiegend im digitalen Raum statt. Ein Versuch kann zwischen zwei Treffen weiterentwickelt und anschließend gemeinsam besprochen werden. Fragen müssen deshalb nicht schon am Ende einer einzelnen Veranstaltung beantwortet sein.

Die Inhalte reichen von der eigenen Positionierung und Recherche über Bildexperimente und Animation bis zu Portfolio und Webpräsentation. KI kann auch dabei helfen, vorhandene Arbeiten zu ordnen, einen Projekttext zu entwickeln oder eine noch nicht realisierte Idee zu visualisieren. Solche Anwendungen sind für die künstlerische Berufspraxis ebenso relevant wie die Erzeugung neuer Bilder.

Welche Möglichkeiten eine Künstlerin aufgreift, hängt von ihrer Arbeit und ihren Fragen ab. Die unterschiedlichen Positionen der Teilnehmerinnen sind der Ausgangspunkt der Residenz. Von dort aus kann sich etwas entwickeln, dessen Gestalt zu Beginn noch offen ist.

Künstlerische Erfahrung zählt in jedem Alter

Ich sehe einen dringenden Bedarf an mehr solchen Angeboten. Besonders denke ich dabei an Künstler*innen, die nicht mehr am Anfang ihres Berufslebens stehen. Sie haben über viele Jahre eine eigene Bildsprache entwickelt, mit Materialien gearbeitet, Ausstellungen vorbereitet und künstlerische Entscheidungen getroffen. Dieses Wissen gehört in die Auseinandersetzung mit KI.

Wer seit Jahrzehnten malt oder zeichnet und zum ersten Mal einen Bildgenerator öffnet, bringt bereits geschulte Wahrnehmung und Urteilskraft mit. Neu sind die Bedienung, die Arbeitsweise des Systems und die Bedingungen seiner Nutzung. Eine gute Vermittlung muss an der vorhandenen künstlerischen Kompetenz ansetzen.

Gerade weil sich mit KI schnell ein visuell eindrucksvolles Ergebnis herstellen lässt, wird die Frage nach seiner Bedeutung umso wichtiger. Passt es zur eigenen Arbeit? Wiederholt es vertraute Bildmuster? Eröffnet es eine interessante Richtung? Künstlerische Erfahrung hilft, solche Fragen genauer zu stellen. Sie sollte in Lernangeboten und in der öffentlichen Debatte stärker berücksichtigt werden.

Mich beschäftigt dabei der Abstand, der entsteht: Während manche Menschen bereits tief in dieser Transformation stecken, haben andere KI noch gar nicht ausprobiert. Ich befürchte, dass sie von der Entwicklung überrollt werden, bevor sie Gelegenheit hatten, einen eigenen Zugang zu finden. Wenn ihre Erfahrungen und Perspektiven dabei verloren gingen, wäre das ein Verlust für die Kunst.

Ich wünsche mir deshalb, dass Förderung und Weiterbildung selbstverständlich auch Menschen erreichen, deren künstlerische Entwicklung längst begonnen hat. Neugier und die Bereitschaft, etwas Neues zu erproben, haben keine Altersgrenze.

Onlineangebote brauchen verlässliche Begleitung

Onlineformate können eine Teilnahme vom eigenen Arbeitsort aus ermöglichen. Das ist relevant, wenn regelmäßige Reisen schwer zu organisieren sind, der Wohnort weit entfernt liegt oder andere Verpflichtungen die verfügbare Zeit begrenzen.

Damit daraus ein nutzbarer Zugang wird, braucht es verständliche technische Einführungen, erreichbare Ansprechpersonen und wiederkehrende Gespräche. Auch eine einfache Bedienungsfrage muss Platz haben. Zwischen den Treffen sollte genug Zeit bleiben, um etwas am eigenen Material auszuprobieren und mit konkreten Fragen zurückzukommen.

Eine längere Begleitung kann helfen, aus ersten Versuchen eine selbstständige Arbeitsweise zu entwickeln. Dazu gehören auch verständliche Informationen über Kosten, den Umgang mit eigenen Werken und die Grenzen der eingesetzten Dienste. Bezahlbare Zugänge und ein realistischer Zeitrahmen sind Bedingungen, die bei der Planung solcher Angebote mitgedacht werden müssen.

Hier sehe ich eine Aufgabe für Künstler*innenverbände, Kulturinstitutionen und Förderprogramme. Sie können kontinuierliche Lernmöglichkeiten schaffen und die Arbeit der Vermittlung ermöglichen. Der Zugang zu KI sollte verlässlich werden und mehr Menschen offenstehen.

Was wir gemeinsam gestalten können

In meinen Thesen zur Diskussion geht es um eine Transformation, die weit über die Herstellung einzelner Werke hinausreicht. KI verändert auch, wie Kunst verbreitet und wahrgenommen wird. Fragen nach Autorschaft, kulturellem Wissen, Sichtbarkeit und der Macht der Anbieter gehören deshalb zur praktischen Arbeit dazu.

Ich halte es für notwendig, dass Künstler*innen ihre Erfahrungen in diese Entwicklung einbringen und sie kritisch begleiten. Zugleich brauchen sie die Freiheit, selbst zu entscheiden, welche Anwendungen sie nutzen oder ablehnen. Die Verantwortung für faire Bedingungen liegt auch bei Unternehmen, Institutionen und Politik.

Wie weit dieser Wandel reichen wird und was er für unser Leben und die Kunst bedeutet, kann ich nicht beurteilen. Ich möchte trotzdem hoffen, dass er sich zum Guten wenden lässt. Mit der hybriden Residenz arbeite ich daran, mehr Menschen eine eigene Auseinandersetzung zu ermöglichen. Dafür wünsche ich mir weitere begleitete Onlineangebote, kollegialen Austausch und Raum für die Erfahrung derjenigen, die jetzt erst beginnen.

Diese Perspektive bringe ich am 20. November in die Diskussion bei der GEDOK ein.

Zur Veranstaltung

Kunst und KI: Wie wird Zukunft gestaltet?
Freitag, 20. November 2026, 18 bis 20 Uhr
GEDOK-Haus Rangsdorf, Seebadallee 45, 15834 Rangsdorf

Mit Eka Orba, Priska Tosch und Verena Voigt. Moderation: Katrin Stahmleder, Geschäftsführung der GEDOK Brandenburg.

Der Eintritt ist frei, eine Spende ist erbeten. Die GEDOK verweist zur Anmeldung auf ein kostenloses Ticket bei YesTicket. Weitere Informationen stehen in der Veranstaltungsankündigung der GEDOK Brandenburg.