Hybride Kunstpraxis zwischen Malerei, Bildkompetenz und KI-Assistenz
Bevor ein Pinsel die Leinwand berührt, ist schon vieles passiert. Das Malen selbst ist eigentlich der letzte Schritt – der sichtbare. Was davor liegt, ist ein permanentes, leises Sammeln: Man geht durch die Stadt und sieht, wie Licht gegen eine Hauswand bricht. Man sitzt im Zug und beobachtet, wie Farben in der Dämmerung die Konturen verlieren. Man hört ein Gespräch und spürt plötzlich eine Form darin – keine Worte, eher ein Gewicht, eine Kurve. Das alles wandert irgendwohin, in einen inneren Speicher, der sich nie wirklich abschaltet.
Irgendwann dürfen diese angesammelten Eindrücke raus. Als Wesen, als Form, als Farbe. Bei mir beginnt es oft mit einer freien Linie – nicht geplant, nicht konstruiert. Einfach: eine Linie. Und dann beginnt das Gespräch zwischen Hand und Fläche.
Dieser Prozess war schon immer da, lange bevor es KI gab. Und reines Produzieren hatte dabei noch nie einen besonders hohen Stellenwert – nicht für mich, und ich glaube, nicht für die meisten, die ernsthaft zeichnen oder malen. Es geht ums Sehen. Ums Verarbeiten. Ums Freude-Haben an der Entdeckung, die in jeder neuen Arbeit steckt.
Wir sind in einer KI-First-Welt angekommen. Texte, Bilder und Videos entstehen heute aus vagen Ideen in Sekunden – präzise, gefällig, technisch einwandfrei. Das ist keine ferne Zukunft mehr, das ist Alltag. Und das verändert etwas – nicht das Warum des Malens, aber durchaus das Wie und Womit. Ich nutze KI als Erweiterung meiner Ausdrucksmöglichkeiten, nicht als Ersatz für Farbe, Stift und die echte Leinwand. Beides bleibt: das eine als Kern, das andere als neues Spielfeld.
In diesem Artikel greife ich die Logik meiner Präsentation „Hybride Kunstpraxis: Malerei und KI – Atelier-First in einer KI-First-Welt“ auf.
Die Aufzeichnung des Webinars findest Du hier: https://youtu.be/Wmb4f_2px34
Gedankenexperiment: Wohin führt die Entwicklung?
Stell Dir ein Szenario vor, das gar nicht so weit entfernt ist: Automatisierung nimmt einen Großteil der Routinearbeit ab. Ein kultureller Wertewandel greift Platz. Plötzlich steht mehr Zeit zur Verfügung – echte, unverplante, unerwartete Zeit. Was tun Menschen damit?
Die meisten, so zeigt die Geschichte, suchen nach Ausdruck. Nach Bedeutung. Nach dem Gefühl, etwas hinterlassen zu haben, das zählt.
In so einem Szenario wird Kunst nicht zur „Deko für freie Stunden“, sondern zu einem zentralen Raum, in dem Menschen klären, wer sie sind – und wie sie sich ausdrücken. Wenn Routinen und Pflichten schrumpfen, wächst eine andere Frage: Wofür setze ich meine Aufmerksamkeit ein?
Denn sobald KI die Produktion beschleunigt, verändert sich der Engpass: Es ist nicht mehr Output, der fehlt, sondern Bedeutung:
- Welche Bilder sind nur Varianten – und welche sind echte innere Wahrheiten?
- Welche Formen sind nur attraktiv – und welche bilden ein eigenes System?
- Welche Serien sind nur Zufallsfunde – und welche tragen eine Bedeutung?
Das Gedankenexperiment ist nicht reine Zukunftsmusik. Es ist eine Linse, durch die man die Gegenwart besser versteht: Wenn Herstellung billiger wird, steigen die Anforderungen an Orientierung, Urteilskraft und kuratorische Führung.
Werden die Menschen überflüssig?
Diese Frage steht im Raum. Sie ist unbequem, sie ist provokant – und sie ist produktiv, wenn man sie ernstnimmt.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer befreundeten Künstlerin, die sagte: „Ich habe jetzt Angst, meine eigenen Bilder zu zeigen. Was, wenn jemand fragt, ob das KI gemacht hat?“ Diese Angst ist real. Und sie zeigt, wie schnell sich das Terrain verschoben hat.
Aber sie zeigt noch etwas anderes: wie wertvoll das wird, was sich eben nicht automatisieren lässt. Maschinen können jetzt „fast alles“. Gerade deshalb gewinnt etwas an Wert, das sich nicht per Prompt erzeugen lässt: menschliche Urteilskraft.
Urteilskraft ist in der Kunst kein moralischer Zeigefinger. Es ist ein Bündel aus Fähigkeiten, die man täglich trainiert – meist still, oft unsichtbar:
- Intuition: ein Vor-Wissen im Körper, das schneller ist als Sprache.
- Konsequenz: eine Entscheidung nicht nur treffen, sondern sie durchhalten.
- Kriterien: zu wissen, was in Deinem Universum zählt – und was nicht.
- Kontext: ein Werk so zu platzieren, dass es „liest“, ohne erklärt werden zu müssen.
- Verantwortung: welche Bilder Du in die Welt bringst – und wofür sie stehen.
Atelier-First bedeutet: Diese Urteilskraft bleibt die Leitinstanz. KI darf Vorschläge machen, Varianten liefern, Muster spiegeln – aber die letzte Entscheidung bleibt beim Menschen.
Realität heute: Produktion ist leicht – Haltung ist wertvoll
Ich bespreche oft meine Bilder mit KI: Ich lade ein Bilder hoch und biete die KI, es formal zu beschreiben. Was zurück kommt, ist präzise, aufmerksam, beinahe einfühlsam – Beobachtungen zu Komposition, Farbklima, Rhythmus, die mir selbst neue Perspektiven auf meine eigene Arbeit eröffnet haben. Kein Urteil, kein Gefühl – aber ein scharfer Spiegel.
Das ist der Punkt: KI sieht Muster. Menschen empfinden Bedeutung. Beides zusammen ergibt etwas, das keines von beiden allein könnte.
Heute lassen sich Texte, Bilder, Videos aus vagen Ideen in Sekunden erzeugen. Für viele, die einfach gerne zeichnen, malen oder gestalten, ändert das im Grunde gar nichts – Spaß und Lust an der Sache bleiben der wichtigste Motor, und das ist vollkommen richtig so. Für eine professionelle Kunstpraxis verändert es allerdings etwas: Der Fokus verschiebt sich von der reinen Herstellung hin zu Auswahl, Konsequenz und dem eigenen Blick. Ein wichtiger Aspekt dabei: Die Bedienung der Technik erfolgt über einfache menschliche Sprache. Man braucht keine Programmierkenntnisse – sondern die Fähigkeit, klar zu formulieren: fragen, beschreiben, präzisieren. Wer Gedanken und Bilder gut in Worte fassen kann, bekommt von KI die stärksten Antworten.
Das ist mehr als ein Tool-Tipp. Sprache wird wieder Material – nicht als Literatur, sondern als Steuerung einer visuellen Maschine. Und: Man kann mit KI sehr gut über die eigenen Bilder sprechen – beschreiben, reflektieren, neue Verbindungen entdecken. Das macht tatsächlich Spaß. Es ist wie ein Gespräch mit jemandem, der unerschöpflich geduldig ist, keine Berührungsangst mit unfertigem Material hat und immer wieder neue Fragen stellt. Genau daraus entstehen Impulse, die die eigene Arbeit weiterbringen.
KI aus dem Atelier verbannen? Das wäre eine verschenkte Gelegenheit. Aber das Atelier bleibt der Ort, an dem Entscheidungen verkörpert werden: Farbe, Schicht, Rhythmus, Kante, Maßstab. KI-Kunst ist dabei etwas anderes als echte Malerei – sie ersetzt sie nicht, sie erweitert sie. Und ich als Künstlerin nehme dieses Angebot gern wahr.
Visuelle Kompetenz: Die Sprache der Zukunft
Ein Kernsatz: Visuelle Kompetenz wird Schlüsselqualifikation.
Warum? Weil Bilder Informationen schneller und dichter übertragen als Text, emotionaler wirken und besser haften. Ein gutes Bild trifft den Körper, bevor der Verstand einschalten kann. Das gilt nicht nur für Künstler*innen, sondern für alle, die in einer Welt permanenter Content-Flut effektiv kommunizieren wollen.
Für Künstler*innen bedeutet das: Die visuelle Sprache wird nicht nur „Werk“, sondern auch Währung. Du kommunizierst über Bildlogik – Form, Kontrast, Atmosphäre. Du positionierst Dich über Bildlogik – durch Serien, Wiedererkennbarkeit, Kontext. Du verkaufst über Bildlogik – durch Vorstellbarkeit im Raum, Vertrauen in Qualität, klare Linie.
Für alle kreativen Professionen gilt: Visuelle Kompetenz ist universell. Wer klar visualisiert, gewinnt – ob in Projekten, Bewerbungen, Portfolios oder Markenauftritten.
In einer KI-First-Welt steigt die Menge an Bildern. In einer Atelier-First-Haltung steigt die Qualität der Entscheidungen darüber, welche Bilder wirklich Bedeutung tragen.
Orientierung: Worum es heute wirklich geht
Wenn ich auf meine Praxis blicke, sehe ich drei Schwerpunkte, die sich herausgeschält haben – nicht als theoretisches Konstrukt, sondern als gelebte Realität:
Hybride Kunstpraxis als Arbeitsweise: nicht als Stil, sondern als methodisches Prinzip, das analoge und digitale Prozesse verbindet. KI als Assistenzsystem im Alltag: integriert in die tägliche Praxis, von der Konzeption über die Produktion bis zur Vermittlung. Erweiterung der Palette: AI-assisted artworks als zusätzliches Format neben Malerei, Fotografie, Objektkunst.
Das ist eine wichtige Präzisierung: Hybrid ist kein Look. Hybrid ist ein System, das Deine Praxis anschlussfähig macht – nach innen (Kohärenz) und nach außen (Wirksamkeit).
Was hybride Kunstpraxis ist – und was sie leistet
Praxis heute ist mehr als Produktion im stillen Kämmerlein. Praxis ist ein System aus Werk, Beschreibung, Präsentation, Vermittlung und Erweiterung.
Das Atelier ist nicht mehr nur der Ort des Werks, sondern der Kern einer gesamten Architektur. Hybride Praxis bedeutet: Du setzt den Impuls. Du arbeitest im Dialog mit KI. Du gestaltest den Prozess. Du triffst die Entscheidung über das Ergebnis.
KI wird als Entwicklungsraum genutzt: mehr Geschwindigkeit, mehr Varianten, mehr Erkenntnis – ohne die Entscheidung zu delegieren. Und dann gibt es einen Satz, der meine Praxis gut beschreibt:
„Der Mensch macht den ersten Schritt. Die KI macht daraus hundert Wege. Aber nur der Mensch entscheidet, welchen Weg er gehen möchte.“
„Hybrid“ heißt gut orchestriert
Hybrid heißt nicht „halb digital, halb analog“, sondern strategisch orchestriert. Das Werk entsteht aus künstlerischer Entscheidung. Aber die Praxis drumherum braucht Anschlussstellen: Publikum, Institutionen, Projekte, Räume, Plattformen.
KI ist dabei nicht der Stil, sondern ein Werkzeug, um diese Anschlussstellen systematisch zu bauen und aktiv zu bedienen. Der Hebel: Welche Teile meiner Praxis kann ich intelligenter organisieren, damit mehr Zeit und Energie für das Wesentliche bleibt – für künstlerische Tiefe, formale Entwicklung, konzeptuelle Arbeit?
Das ist kein romantischer Rückzug ins Analoge. Es ist eine pragmatische Entscheidung: mehr Zeit und Energie für die eigentliche Arbeit, weil Routineaufgaben (Texte, Varianten, Struktur, Recherche, Formatplanung) systematisiert werden.
AI-assisted artworks: ein zusätzliches Werkformat
Ich erinnere mich an den Moment, in dem ich mein KI-generiertes Bild auf einer Leinwand gedruckt, per Post bekam und als eigenes Werk an die Wand gehängt habe. Mein erster Gedanke: „Ist das noch meins?“ Mein zweiter, nach einer langen Pause: „Ja. Es ist sogar sehr meins – es kostete mir viele Entscheidungen, diesen Objekt schließlich zu erzeugen.“
KI eröffnet nicht nur Effizienz, sondern ein zusätzliches Werkformat: AI-assisted artworks.
Diese können diese und viele andere Formen annehmen:
- Material für Collagen
- Embellishment: gedrucktes oder generiertes Bild wird von Hand weiterbearbeitet und zum Unikat
- Digitale Editionen
- Konsistente Serien formatübergreifend
- Formatmix: Bild, Video, Musik
- Studien und Vorlagen für neue Werke
Wichtig: Dieses Format ergänzt Malerei, Fotografie oder Objektkunst und kann ins Analoge zurückfließen. Das Atelier bleibt der Ort, an dem Du definierst, welche digitale Arbeit Dein Universum trägt, welche Serie tragfähig und konsistent ist, welche Ausgaben Studien sind und welche Editionen.
Systemdenken: künstlerische Praxis als Ökosystem
Eine gute Kunstpraxis ähnelt einem Ökosystem: Sie hat einen Kern, der Energie erzeugt, und Außenbereiche, durch die diese Energie nach außen wirkt. Wenn der Kern schwächelt, fühlt sich alles an wie Pflicht. Wenn der Kern stark ist, fühlt sich alles – sogar das Formulieren von Bewerbungstexten – wie Teil der eigenen Arbeit an.
Die vier Bereiche des Ökosystems:
Kernpraxis: Atelier, Werk, Skizzen, Ideen, Serien – der Ort, an dem künstlerische Substanz entsteht. Hier definierst Du Kernregeln: Palette, Formfamilien, Serienlogik, Qualitätskriterien.
Außenkontakt: Positionierung, Projekte, Bewerbungen. KI-Hebel: Recherche, Formulierung von Projektlogik, Varianten für unterschiedliche Adressaten.
Präsentation: Portfolio, Räume, Kontext, Visualisierung. KI-Hebel: Visualisierung im Raum, Simulationen, klare Präsentationsformate.
Vermittlung: Content, Video, fortlaufende Präsenz. KI-Hebel: Redaktionssysteme, Content-Pakete aus Serien, Skripte, Struktur.
Das Ökosystem-Denken löst ein typisches Problem: Viele Künstler*innen arbeiten intensiv am Werk, verlieren aber Energie bei Außenkontakt, Präsentation und Vermittlung. Hybrid heißt: Du baust Anschlussstellen, ohne Substanz zu verwässern.
Drei Rollen von KI: Text, Prozess, Vermittlung
KI übernimmt in meiner Praxis drei distinkte Rollen – und es ist wichtig, diese nicht zu vermischen:
Erstens: Texte, Projekte, Redaktion. Textsysteme entwickeln und pflegen, Varianten für unterschiedliche Kontexte, Konsistenz über Formate hinweg. Ein Kern-Statement plus Varianten für Galerie, Website, Förderantrag, Social Media. Das spart Zeit und stabilisiert die Stimme.
Zweitens: Kreativer Prozess. KI als „formaler Gesprächspartner“: Was dominiert im Bild? Wo fehlt Spannung? Welche Serie ist kohärent? Varianten nicht um mehr zu haben, sondern um schneller zu sehen, was wirklich trägt.
Drittens: Vermittlung & Content. Prozessdokumentation systematisch, Formate planen und umsetzen. Aus einer Serie: ein Blogartikel, ein Newsletter, drei Posts, ein Reel-Skript, ein Kurzvideo-Hook. Vermittlung als System statt Stress.
Pipeline-Modell: Von Positionierung zur permanenten Präsenz
Es empfiehlt sich der Aufbau eines Pipeline-Modells in fünf Schritten:
- Positionierung & Außenkontakt: Wer bin ich? Was mache ich? Für wen?
- Text-Infrastruktur: Konsistente Formate für alle Situationen
- Werk-/Produktpalette + AI-assisted artworks: erweitertes Spektrum
- Präsentation in Raum, Situation, Ort: Werk im Kontext visualisieren
- Vermittlung & Content als Praxis: kontinuierliche Sichtbarkeit aufbauen
Diese Pipeline ist nicht ein Marketing-Trichter, sondern eine Praxis-Architektur. Sie schützt vor Aktionismus, weil sie Reihenfolge schafft: Erst Klarheit, dann Textsysteme, dann Formate, dann Kontext, dann Präsenz.
Die 5 Phasen im Detail
Phase 1: Positionierung & Außenkontakt
Positionierung beginnt mit einer ehrlichen Frage: Wer bin ich eigentlich? Nicht die Galerie-Bio-Version, sondern die echte Antwort – die, die manchmal unbequem ist, weil sie Entscheidungen fordert. KI hilft, daraus ein klares eigenes Universum zu bauen: begrifflich, visuell, strukturell.
Praktisch: Definiere 5–7 Begriffe, die Dein Werk tragen. Definiere 3 Kontexte, in denen Dein Werk stark wirkt. Definiere 2–3 Formate, die Du zuverlässig liefern kannst. Dann lässt Du KI helfen, daraus Varianten zu formulieren – aber die Begriffe entstehen aus Deiner Praxis.
Phase 2: Text-Infrastruktur aufbauen
Nicht ein Text, sondern viele Formate: kurz/lang, persönlich/institutionell, Werk/Projekt. Text-Infrastruktur bedeutet: Ein Kern plus Varianten – Artist Statement, Bio, Projektbeschreibung, Werkbeschreibungen, Ausstellungskonzepte.
Einmal entwickelt, immer wieder nutzbar. Das spart Zeit und stärkt die Kohärenz über alle Kanäle hinweg. Deine Texte sind keine Pflicht – sie sind Teil Deiner Autorenschaft.
Phase 3: Werkpalette erweitern
Malerei, Foto, Zeichnung, Artobjekte – plus AI-assisted artworks als Erweiterung. KI-Ergebnisse können als selbständige Kunstwerke positioniert werden und/oder als Inspiration und Material in die analoge Praxis zurückfließen. Eine erweiterte Werkpalette wirkt nur dann stark, wenn sie einer Logik folgt: Was ist Kern? Was ist Satellit? Was ist Labor?
Phase 4: Werk im Raum denken
Viele Verkäufe scheitern nicht am Werk, sondern an der Vorstellungskraft. Wer sein Werk im Raum sichtbar macht, nimmt Reibung aus der Kaufentscheidung. KI-Tools ermöglichen fotorealistische Visualisierungen von Ausstellungssituationen – das macht Bewerbungen überzeugender und hilft in der Planung.
Praktisch: 5 Standard-Raumsettings (Wohnraum, Büro, Hotellobby, Galerie, ruhiger Raum). Pro Werk 2–3 Visualisierungen, die Maßstab und Wirkung zeigen.
Phase 5: Content als künstlerische Praxis
Content ist Teil der künstlerischen Praxis: als Prozessdokumentation und permanentes Portfolio. Nicht als lästige Pflicht, sondern als systematischer Bestandteil der Arbeit. Atelier-First heißt auch: Du zeigst nicht alles, sondern das Richtige. Content ist kuratiert – er soll Deinen Prozess nicht zerreden, sondern sichtbar machen.
Ein einfaches System: 1x pro Woche ein Prozessmoment (Foto + 5 Sätze), 1x pro Monat ein längerer Blogartikel, pro Serie ein Content-Paket.
Das Gesamtsystem: ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt
Das System funktioniert als sich selbst verstärkender Kreislauf: Positionierung erzeugt Textsysteme. Textsysteme stabilisieren Werkformate. Werkformate werden präsentierbar. Präsentation wird Vermittlung. Vermittlung stärkt Positionierung.
Das ist der Punkt, an dem Atelier-First zur langfristigen Strategie wird: Du baust kein fragiles Social-Media-Haus, sondern ein System, das sich über Zeit stabilisiert. Wenn Du einmal klar positioniert bist, werden Texte leichter. Wenn Texte stabil sind, werden Formate klarer. Und Vermittlung, die Vertrauen erzeugt, stärkt Deine Positionierung – ganz von selbst.
KI ist in diesem Kreislauf kein Selbstzweck. Sie ist ein Beschleuniger für Kohärenz.
Beispiele aus der Praxis: So sieht „hybrid“ konkret aus
Beispiel 1: Werkfoto → Varianten
Aus einem Werkfoto wird automatisch eine Werkbeschreibung in mehreren Versionen: Portfolio-Text, Online-Galerie-Info, Social-Media-Post. KI generiert Varianten, Du editierst nach Kriterien. Das Werk bleibt dasselbe – der Kontext wechselt. Die Stimme bleibt erkennbar.
Beispiel 2: Open Call → Bewerbung
Ausschreibungen finden, Anforderungen analysieren, Textgerüst entwickeln – KI-gestützt, aber individuell angepasst. Du verwechselst Geschwindigkeit nicht mit Beliebigkeit. KI hilft, schneller zu verstehen, was eine Ausschreibung wirklich sucht – und wie Du Dein Projekt so formulierst, dass es in deren Logik passt, ohne Deine Linie zu verraten.
Beispiel 3: Serie → Content-Paket
Aus einer Werkserie entsteht ein komplettes Content-Paket: Reels, Shorts, Karussells, Posts – alles aus einem Prozess. Du machst nicht Content „zusätzlich“, sondern Du extrahierst Content aus Deiner echten Arbeit. Eine Serie ist ohnehin ein Prozess – Du dokumentierst ihn so, dass er als permanentes Portfolio wirkt.
Warum Atelier für mich die richtige Priorität bleibt
Es gibt diesen Satz, den ich manchmal höre: „KI macht jetzt Kunst.“ Und ich denke: Nein. KI macht Bilder. Kunst entsteht, wenn jemand entscheidet, welches Bild etwas bedeutet – und warum.
Wenn KI überall ist, ist „mehr“ leicht. Mehr Varianten, mehr Bilder, mehr Formate, mehr Tempo. Was schwer bleibt, ist das, worauf es in meiner Arbeit wirklich ankommt: Bedeutung.
Genau deshalb setze ich in meiner hybriden Kunstpraxis auf Atelier-First. Nicht als Gegenbewegung zur KI, sondern als klare Priorität: Mein Atelier ist mein eigener Werk- und Denkraum – der Ort, an dem Entscheidungen entstehen, die sich nicht automatisieren lassen.
Für mich ist das Atelier nicht nur ein Raum mit Material. Es ist ein Zustand: konzentrierte Wahrnehmung, körperliche Präsenz, ein Maß für Qualität. Hier sehe ich, was ein Bild wirklich trägt. Hier spüre ich, wann eine Form stimmt, wann eine Farbe kippt, wann ein Rhythmus Spannung hält oder zerfällt.
Auf der formalen Ebene entwickle ich eine erkennbare Linie – Serienlogik, Palette, Formfamilie, Kompositionsprinzipien. Diese Linie entsteht nicht durch „gute Ergebnisse“, sondern durch konsequente Entscheidungen, die ich wiederhole, variiere, prüfe und verfeinere. Wenn ich KI nutze, dann um schneller zu sehen: Welche Varianten erweitern meine Sprache – und welche verwässern sie?
Auf der konzeptuellen Ebene weiß ich, was ich tue und warum. Tools ändern sich schnell. Was nicht wechseln darf, ist mein innerer Kern: die Frage, wofür mein Werk steht, welche Wahrnehmung ich schärfen will, welche Bildwelt ich baue.
Auf der Marktebene schützt mich Atelier-First vor dem typischen KI-Risiko der schnellen Austauschbarkeit. Der Markt reagiert auf Oberflächen schnell – aber er bindet sich langfristig an Autorenschaft. Und Autorenschaft entsteht dort, wo Entscheidungen nachvollziehbar sind: im Werk, in Serien, in Qualität, in Konsequenz.
Fazit: Meine Rollenverteilung ist klar
Hybride Kunstpraxis ist meine persönliche und professionelle Antwort auf die Gegenwart – und sie ist eine optimistische. Denn sie zeigt: Gerade weil Maschinen so viel können, wird das, was Menschen einbringen, eigenständiger. Wertvoller. Nicht weniger.
Die Zukunft gehört nicht denen, die KI ablehnen. Und sie gehört nicht denen, die sich von ihr treiben lassen. Sie gehört denen, die sie führen – mit Haltung, Kriterien und einem klaren Bild davon, was ihre Arbeit bedeutet.
Ich führe. Die KI erweitert.
Und zurück zur freien Linie, mit der es bei mir oft beginnt: Sie wartet nicht auf einen Prompt. Sie entsteht, weil ich die Welt beobachte, Formen sammle, Farben trage – und irgendwann muss das alles raus. Das ist Malerei. KI macht davon etwas anderes möglich, aber diesen Ursprung ersetzt sie nicht.
Das ist gut so. Beides darf sein.
Dein nächstes schönes Erlebnis entsteht nicht auf einem Bildschirm!
KI kann vieles. Staunen musst Du selbst!
Falls du als Künstler mehr mit KI arbeiten möchtest, schaue gern die Aufzeichnung des Webinars an: https://youtu.be/Wmb4f_2px34
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